Wie wäre es eigentlich, dem tristen Winter mal für ein paar Tage zu entfliehen und stattdessen irgendwo in wärmeren Gefilden die Sonne zu genießen? Diesem Gedanken hing ich im Herbst 25 mit Aussicht auf den kommen Winter nach. Ein wenig Resturlaub war noch auf dem Urlaubskonto. Warum nicht irgendwo in den Süden.

Kanaren, Azoren, Madeira. Vor der Westküste Afrikas isses doch warm, oder zumindest wärmer als in Mannheim. Ein Blick auf die Klimakarten zeigt, dass es zwar auch auf diesen Inseln im Januar nicht unbedingt sommerliche Temperaturen hat, aber doch zumindest wärmer als bei uns ist.

So Strandurlaub ist nichts für mich, aber bissle wandern wäre doch was. Und so suchte ich bei einigen Anbietern für Wanderreise was Passendes raus. 8 Tage Madeira in einer Gruppe, Flug, Hotel und Halbpension sowie Wanderungen mit Guide und Bus inkl. Natürlich ewig drüber nachgedacht und als die Plätze knapper wurden dann doch endlich gebucht.

Tag 1 – Anreise

Und so ging es am 22.1.2026 mit dem Flieger ab FFM nach Funchal auf Madeira. Fliegen mag ich ja nicht so. Erst muss man Stunden vor dem Abflug am Flughafen sein, um dann doof rumzusitzen (oder in meinem Fall den halben Flughafen abzulaufen). Dann sitzt man stundenlang (nach Madeira knapp 4h) eingepfercht auf irgendwie 0,25 qm und am Ende hofft man, dass der Koffer es auch heile ans Ziel geschafft hat (A minha mala está aqui).

Wenn man das aber alles geschafft hat, dann kann der Urlaub beginnen. Denn ab hier übernimmt der Veranstalter alles und man muss nur noch pünktlich an den verabredeten Orten erscheinen. Und so ging es mit dem Bus, der uns die nächsten 8 Tage durch die Gegend kutschieren sollte von Funchal (recht weit im Osten der Insel) zu unserem Hotel recht weit im Westen der Insel.

Tag 2 – Levada Wanderung

So stand es zumindest in der Beschreibung des Veranstalters. Ich würde es eher Levada Spaziergang nennen. Levadas sind ein Bewässerungssystem, dass die Portugiesen über die gesamte Insel gebaut haben, um das Wasser aus dem regenreicheren Norden in den trockeneren Süden der Insel zu leiten. Auf einem Kilometer fließt das Wasser mit einem minimalen Gefälle von 5 m. Es ist also flach. Sehr flach.

Und unsere „Wanderung“ lief die ganze Zeit an einer solchen Levada entlang. Zum Teil durch ein Gebiet in dem es vor 3 Jahren leider gebrannt und damit viele Bäume zerstört hat. Aber die Natur läßt sich davon ja nicht unterkriegen und es grünt hier und da wieder.

Was bei der ersten Fahrt zum Startpunkt der Levada-Tour direkt klar wird, in Madeira ist es steil. Richtig steil. Überall. Die Straßen winden sich an den steilen Hängen entlang und die Ausblicke sind meist beeindruckend.

10,61 km – 92 hm – 2:35h (4:10h)

Tag 3 – Fakultativer Besuch in Funchal

Neben den geplanten Wanderungen gab es noch 2 Tage zur freien Verfügung. Hier gab es auch immer ein fakultatives Angebot. Für den dritten Tag war es der Besuch der Hauptstadt Funchal. Jetzt bin ich nicht so der Städtegucker und hatte auch nicht so wirklich Lust, aber die Alternative wäre gewesen, im Westen der Insel ein wenig gefangen zu sein (dachte ich zu dem Zeitpunkt jedenfalls noch). Also bin ich mit nach Funchal gefahren. Bequem in unserem kleinen Reisebus.

Unsere Guide hat uns dann durch die Stadt geführt und ein paar Geschichten zu Christopher Kolumbus, Sissi und natürlich Christiano Ronaldo erzählt (alle drei Personen haben eine Statur in Funchal). Dann sind wir, wie echte Touristen das so machen, in die Markthalle (frisches Obst, Gemüse und Fisch) und zum Abschluss noch in den Botanischen Garten, bevor es mit dem Reisebus wieder zurück ins Hotel ging.

Da bis zum Abendessen noch etwas Zeit war, wollte ich noch eine kleine Wanderung, runter ans Meer machen. Unser Hotel lag etwa 300 m über dem Meer und es ging im Grunde nur steil bergab. Nach den erst 200 tm war ich mir unsicher wie lange ich noch brauchen würde, da der Weg immer zugewachsener war und ich ja zurück alles wieder hoch musste. Daher bin ich nicht bis ganz runter, sondern lieber zurück, ewig hell ist es ja auch nicht. Am Ende war ich schneller hoch als runter. Aber lieber safe, als sorry 🙂

2,9 km – 200 hm – 34 min (52 min)

Tag 4 – Wanderung Calheta

Wanderschuhe und Stöcke sollen wir mitnehmen – so die Ansage unserer Guide. Ich hatte keine mit. Weder Wanderschuhe noch Stöcke. Aber wir waren ja eh mehr spazieren, da hat das auch gepasst 😉

Nördlich von Calheta ging es auf knapp 1300 m zuerst, wie sollte es anders sein, an einer Levada entlang bis zu einem Wasserfall. Nach einer kurzen Pause ging es ein Stückchen zurück und dann begann sowas wie eine Wanderung. Es ging knapp 300 tm runter. Hauptsächlich über angelegte Naturtreppen. Weil ich etwas schneller war, als der Großteil der Gruppe, habe ich auf dem Weg noch einen Abstecher zu einem weiteren Wasserfall gemacht.

Zurück am Bus ging es dann noch einmal ans Meer, bissle Wellen gucken, bevor es zurück ins Hotel ging.

12 km – 180 hm / 490 tm – 2:18 h (5:17h)

Tag 5 – Ponta de São Lourenço

Warum dieses Ausflugsziel nicht im Programm der Reise stand, verstehe ich nicht. Stattdessen wurde für den zweiten fakultativen Tag ein Ausflug auf den höchsten Punkt der Insel Pico Ruivo (1862m) angeboten. Die Aussichten für den Tag waren: 3-5°C, Nebel, Wind bis 75km/h, leichter Niesel. Neee. Dafür fliege ich doch nicht im Januar nach Madeira.

Also habe ich mir ein Auto geliehen (das ging ganz unkompliziert direkt im Hotel, was ich aber am 3. Tag noch nicht wusste) und bin 1h an den östlichsten Zipfel der Insel gefahren. Ponta de São Lourenço. Dort erwartete mich blauer Himmel, Sonnenschein und Temperaturen über 20°C. So muss Urlaub!

Landschaftlich genau meins und zum Glück nicht so super überlaufen. Kurz: Der beste Tag des Urlaubs.

Okay, dass ich mich am dort höchsten Punkt auf die Nase gelegt und mir beide Beine (hatte die Hose hochgekrempelt, so warm war es!) und beide Hände aufgeschürft habe, war jetzt nicht grad ne Glanzleistung, aber so hatte ich noch länger ein paar Erinnerungen an diesen Tag :D.

11 km – 636 hm – 2:35 h (4:59 h)

Tag 6 – Ponta do Sol Spazieren

Weil das Wetter weiter unbeständig blieb (im Osten ist es immer besser als auf dem Rest der Insel), wurde die für den 6. Tag geplante Wanderung zum Leuchtturm abgesagt und es ging alternativ, mal wieder an einer Levada lang. Spazieren eben.

Weil der Tag danach noch lang war, haben wir mit dem Bus noch die „wichtigen touristischen Punkte“ im Norden (Porto Moniz) und Westen der Insel abgeklappter. Und auch der Leuchtturm (Ponta do Pargo) wurde am Ende noch besichtigt.

Levada: 6 km – 2h / Porto Moniz: 3,1 km – 1:10h

Tag 7 – Unterwegs auf der Hochebene

Am letzten Wandertag ging es nochmal hoch hinaus auf die Hochebene von Madeira (1330 m). Da ist es eigentlich immer nass und windig. Hatte ich erwähnt, dass ich keine wasserdichten Schuhe dabei hatte? Meine sind leider 4 Wochen vorher bei einer Wanderung kaputtgegangen – war plötzlich in beiden Schuhen nass – und so schnell habe ich keinen Ersatz gefunden

Aber was soll’s wird schon gehen. Spoiler: ging erstaunlich gut. Landschaftlich an sich ganz schön, Aussicht aber eher so ne 1 von 10. Alles grau. Es ging ein wenig rauf und runter, durch Matsch und Pfützen und immer wieder leichten Nieselregen. Die mystische Stimmung war aber auch irgendwie nice.

Den Nachmittag haben wir dann noch mal am Atlantik in Madalena do Mar verbracht und dort dem Rauschen der Wellen gelauscht.

8 km – 200 hm / 370 tm – 1:40 h (3:56h)

Tag 8 – Abreise

Wie das mit Urlauben immer so ist. Erst fiebert man ewig darauf hin und dann schwups, ist er schon wieder vorbei. Und so ging es am Morgen ganz entspannt zum Flughafen. Nachdem die letzten Tage das Wetter eher regnerisch war, kam natürlich am Abreisetag noch mal die Sonne raus. Da der Flug aufgrund der Kältewelle in München verspätet war, bin ich am Flughafen nochmal kurz an den Atlantik, einen letzten Blick auf’s Wasser zu werfen und die Sonne noch etwas zu genießen.

Dann hieß es „Fasten your seatbelt“ und ab ging es zurück in den kalten Norden.

Rückblick

Es war meine erste Urlaubsreise allein mit einer Gruppe. Auch wenn ich mit Abstand die Jüngste war, habe ich mich gut mit allen verstanden und die Dynamik hat mir gut gefallen. Morgens gemeinsam in den Tag starten und beim Abendessen zusammen über die Erlebnisse des Tages zu sprechen, fand ich sehr angenehm. Tagsüber konnte man auch mal allein ’ne Weile gehen (oder gar einen ganzen Tag allein verbringen – das haben anderen TeilnehmerInnen auch gemacht) und sich auch abends einfach früher zurückziehen (ich hatte ein Einzelzimmer).

Zwei Monate vor der Reise habe ich bei Duolingo ein wenig Reise-Portugiesich gelernt. Unterhalten konnte ich mich damit natürlich nicht, aber um einen Tee oder etwas zu Essen bestellen und die Hotelmitarbeiter morgens und abends zu begrüßen/verabschieden hat es gereicht. Auch unseren Busfahrer habe ich fleißig mit meinem „Portugiesisch“ beglückt, er hat sich jedes Mal gefreut 🙂

Madeira selbst habe ich mir irgendwie ursprünglicher vorgestellt, aber tatsächlich ist jeder bewohnbare Fleck der Insel auch bebaut. Nur da wo es zu steil, oder die Witterung zu feucht ist, stehen keine Häuser. Ich bin jedenfalls sehr froh den Ausflug nach Ponta de São Lourenço gemacht zu haben, da mich dieser Teil der Insel landschaftlich richtig abgeholt hat (es war auch das beste Wetter). Ein Mitreisender meinte dazu, ich wäre wohl auf der falschen Insel. Er würde mir La Palma empfehlen. Mal schauen, der nächste Winter kommt bestimmt 🙂

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Von Janni

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